Kleines ganz groß
"Ebbes"
über die Makrofotografie
Fotografieren von kleinen
Dingen wird umgangssprachlich Makrofotografie genannt. „Makro“
ist für diese Art der Fotografie eigentlich die falsche Bezeichnung.
Die Firma Nikon nennt daher die hierfür speziellen Objektive „Micro“
und dies ist eigentlich korrekt. Dennoch hat sich der Begriff Makro eingebürgert
und wir, die uns mit der Kamera im Lehm wälzen, wollen dies nicht
ändern, sondern kritiklos übernehmen.
Was ist Makro und wo ist die Grenze zwischen Nahbereich und Makro? Soll
ich es Ihnen verraten? Ich weiß es nicht! Für mich persönlich
hängt es vom Maßstab ab. 1:2 und 1:1 würde ich als Makrofotografie
bezeichnen. 1:1 was bedeutet das? Ganz einfach: Ein Kleinbild (Dia/Negativ)
hat die Größe von 36x24mm. Ein Objekt z.B. eine Briefmarke
wird im Maßstab 1:1 genauso groß abgebildet wie in Lebensgröße.
Es findet keine Verkleinerung oder Vergrößerung statt! Sprich
ein Motiv von 36x24 füllt das Kleinbild komplett aus. Maßstab
1:10 heißt z.B., dass das Motiv 10fach verkleinert abgebildet wird.
Alles klar?
Die Ausrüstung:
Wer mit einem Zoom erstklassige Makros machen möchte wird schnell
enttäuscht werden. Solch eine Optik bietet nicht die Abbildungsleistung
und erreicht meist nicht den oben erwähnten Maßstab, um ins
Detail zu gehen. Es gibt Vorsatzlinsen die dies verbessern sollen. Gehen
sie von diesem Geld gut essen, oder sparen sie auf ein richtiges Objektiv.
Letzten Endes kommt man um eine Festbrennweite und am bestem um ein reines
Makroobjektiv nicht dran vorbei. Die gängigen Hersteller wie Canon,
Nikon und Minolta bieten in ihrem Objektivprogramm meist ein 50mm und
100mm Makroobjektiv an. Diese sind ausgezeichnet! Ausgezeichnet teuer!
Natürlich ist man damit bestens bedient. Ein Makro von einem Fremdhersteller
wie Tamron oder Sigma hat sich aber ebenfalls bestens bewährt. Eventuell
ist die Verarbeitungsqualität des Gehäuses etwas schlechter,
die Abbildungsqualität und somit die Optik ist aber meiner Meinung
nach völlig identisch! Sparen sie sich das restliche Geld und fahren
sie damit ins Jura um Bilder zu machen.
Brennweite 50mm oder 100mm? Die Brennweite ist ja bekanntlich für
den Bildausschnitt verantwortlich (50mm größerer Blickwinkel,
100mm kleinerer Blickwinkel). Das 100mm Makroobjektiv hat daher den Vorteil
das man das Objektiv zum Beispiel besser in der Insektenfotografie (Fluchtdistanz
ist größer!!!) oder in der Portraitfotografie einsetzen kann.
Es ist aber im allgemeinen gegenüber dem 50mm Makroobjektiv teurer!
Die Abbildungsqualität zwischen den zwei Brennweiten ist nahezu identisch.
Ich selbst besitze ein Sigma 105mm EX und bin hochzufrieden (bis jetzt).
Ein weiterer Vorteil solcher Makrooptiken ist, dass man sie auch später
ohne weiteres an einer digitalen Spiegelreflexkamera verwenden kann (laut
diversen „Profimeinungen“). Die Bildqualität ist sehr
überzeugend! Ach ja bevor ich es vergesse. In der Makrofotografie
stellen wir am besten manuell scharf. Der Autofokus hat sein liebe Mühe
in dieser Art der Fotografie. Ein schneller AF ist daher nicht Grundvoraussetzung
bei einem Objektivkauf. Bewährt hat es sich (das ist meine Meinung)
den gewünschten Abbildungsmaßstab vorab am Objektiv zu wählen.
Zum scharf stellen nicht am Objektiv drehen. Gehen sie mit der gesamten
Kamera hin oder weg zum Motiv, bis dieses scharf im Sucher erscheint.
Sie werden allerdings sehen dass dies nicht immer ganz einfach ist. Eine
ruhige Hand ist gefragt!

Es muss nicht immer zwingend
ein Makro von Minolta, Nikon oder Canon sein. Auch Fremdhersteller wie
Tamron oder Sigma bieten akzeptable Makrofestbrennweiten.
Genug der Technik! Wir
packen unsere nagelneue Optik zusammen mit unserer Höhlenkamera plus
Zubehör in eine wasserdichte Tonne und suchen eine schöne Höhle
auf. Dort fotografieren wir ausgiebig. Voller Euphorie gehen wir dann
Tage später zum Fotohändler und kommen enttäuscht über
die Ausbeute zurück! Was ist geschehen?
Ganz einfach wir haben verschiedene Dinge nicht beachtet! Makrofotografie
heißt geringe Tiefenschärfe! Sie können es drehen und
wenden wie sie es wollen, aber kein Mittel hilft gegen dieses Problem.
Ich benutze gerne Blende 16 oder 22 um die Tiefenschärfe zu steigern,
dennoch werden Sie überrascht sein wie gering diese in der Makrofotografie
ausfällt. Umso mehr sie ins Detail (also Richtung 1:1) gehen, wird
die Tiefenschärfe geringer werden. So ist das Tiefenschärfenfeld
bei 1:2 und Blende 16 nur noch ca. 7mm groß und bei 1:1 gar nur
noch 1mm! Ein Millimeter – ein scharfes Auge wird gefordert! Versuchen
sie Ihre fotografische Objekte möglichst auf eine Achse zu legen,
sprich das dass Motiv zum Objektiv hin überall eine gleiche Entfernung
aufweist. So sollte ein Makkaroni von Kopf bis Fuß ein gleicher
Abstand zum Objektiv aufweisen! Ein weiterer Tipp: fotografieren sie mehr
im Abbildungsmaßstab 1:2 - sie werden sehen, es reicht oft und die
Tiefenschärfe hat sich bei derselben Blende vervielfacht!
Der Film spielt ebenfalls eine gewichtige Rolle in der Makrofotografie.
Was nützt eine hervorragende Festbrennweite, wenn sie einen grobkörnigen
ISO 400 Film einlegen. Merken sie sich: 1. Je niedriger empfindlich ein
Film (am besten natürlich Diamaterial) ist, umso kleiner ist das
Korn. Der Film wirkt schärfer und Papierabzüge davon erst recht!
2. In der Makrofotografie benötigen sie keine Blitzbirnen mit Leitzahl
160! Was ich damit sagen will? Ein normaler Blitz reicht selbst bei Blende
22 aus, um einen ISO 50 Film korrekt zu belichten! Ich fotografiere am
gernsten mit dem Velvia ISO 50, oder Provia ISO 100 von Fuji. Sie werden
mit diesen Filmen zufrieden sein.
Die Ausleuchtung ist ebenfalls ein sehr wichtiger Punkt! Wer denkt er
könne mit dem normalen Aufsteckblitz auf der Kamera brauchbare Ergebnisse
erzielen, wird schnell enttäuscht sein! Blitzlicht direkt von der
Kamera macht die Bilder matt und flau! Also den Blitz runter und am besten
mit einem Blitzkabel (TTL!) verwenden. Solches Zubehör ist nicht
billig – aber glauben Sie mir Goldwert! Wenn wir nun indirekt beleuchten
wird das Motiv viel aufregender. Es glänzt förmlich und der
Gesamteindruck ist gut. Machen Sie am besten eine Belichtungsreihe mit
unterschiedlichen Blitzstärken (Über- und Unterbelichten)! Viele
Kameramesssysteme haben Ihre Schwierigkeiten mit Tropfsteinen, da diese
recht gerne komplizierte Farb- und Lichtverhältnis aufweisen. Leider
gilt dies auch manchmal für die TTL-Messung. Viele Kameras bieten
die Möglichkeit verschiedener Messsystemen (für die Belichtungsmessung)
an, wie zum Beispiel die Mehrfeldmessung oder Spotmessung. Diese müssen
Sie individuell einsetzen. So wähle ich gerne die Spotmessung bei
„schlanken“ Objekten (Makkaroni), eine Mehrfeldmessung würde
die Kamera eventuell veranlassen den Hintergrund stärker mit einzubeziehen
und eine Überbelichtung verursachen.

Hier die Mehrfeldmessung
einer Minolta 800si Kamera

Bei der Spotmessung wird
nur das mittlere Messfeld benützt und verwendet
Die Umsetzung:
Wer oben genannte Dinge beachtet wird schon brauchbare Ergebnisse erzielen. Üben sollte man ein wenig und lassen sie sich bei Rückschlägen
nicht entmutigen! Selbst Profis fotografieren manchmal „völlig
daneben“. Wenn sie mit dem Ergebnis nicht zufrieden sind, modifizieren
sie Ihre Vorgehensweise, suchen sie die gleiche Stelle in der gleichen
Höhle nochmals auf!
So jetzt noch ein kleiner Feinschliff! Ich weiß es ist Geschmacksache
aber ich liebe es wenn das Motiv unserer Wahl sich vom Hintergrund abhebt.
Hä? Stellen sie sich ein schönes Aktmodell (vornehmlich weiblich)
direkt vor einer Menschenmasse in der Fußgängerzone vor. Furchtbar!
Das Modell kommt nicht zur Wirkung – der Hintergrund wirkt nervös
und unruhig. Und so ist es mit den Tropfsteinen auch. Wir möchten
doch den eigentlichen Exentrique vom Hintergrund hervorheben und den Blick
auf dieses Motiv lenken. Daher ist es meines Erachtens wichtig den Hintergrund
„absaufen“ zu lassen. Dies geht am besten wenn sie das Blitzlicht
manipulieren. Jetzt bitte nicht den Blitz aufschrauben! Wir wenden eine
einfachere Methode an. Steuern Sie so gut es geht den Lichteinfall ins
Motiv! Nehmen Sie eine Pappe mit und heben Sie diese so ans Blitzlicht
das der Lichtausfall hinter das Motiv verhindert wird. Für kleine
Dinge können sie auch ein Kabelkanalstück (ca. 30 cm) auf den
Blitz aufschieben und mit „Blitz-Spot-Licht“ dem Motiv auf
die Pelle rücken. Achten Sie aber darauf dass der Blitz-Spot nicht
kleiner als das Motiv ist! Sie werden sehen es funktioniert hervorragend.
Der Hintergrund wird sehr schwarz bleiben und das Motiv wird perfekt ausgeleuchtet
sein (Spot- oder Mehrfeldmessung der Kamera beachten!).

Das Bild oben wurde „normal“ ohne Pappe/Rohr ausgeleuchtet. Die eigentlichen Exentriques heben sich
nicht vom Hintergrund ab. Das Bild wirkt flach.

Benutzen wir eine Pappe
oder ein Blitzrohr, so können wir die Exentriques hervorheben.

Durch die Pappe wird verhindert
das Blitzlicht den Hintergrund erhellt. Dadurch heben sich die fotografierte
Tropfsteine vom Hintergrund ab. Besitzt die Kamera und der Blitz eine
TTL-Blitzlichtsteuerung, so kann dies über ein Kabel gesteuert werden.
Ebenfall zur Kategorie
Feinschliff zählt der Ausschnitt! Ich habe schon perfekt scharfe
und ausgeleuchtete Bilder gemacht, bei denen ich im nach hinein feststellen
musste, dass ich den Ausschnitt versaut habe. Achten sie darauf dass sie
nichts unbewusst abschneiden, oder das Bild völlig ausfüllen.

Die Makrofotografie bietet
Möglichkeiten! Gehen Sie ruhig näher heran und entdecken Sie
die Makrovielfalt.
Gehen sie um das Motiv
herum, verändern sie den Abstand. Nehmen sie sich Zeit, auch wenn
sie durch den Sucher schauen. Leider ertappe ich mich immer wieder, dass
ich zu voreilig auf den Auslöser drücke. Eine richtige Perspektive
steigert den Bildeindruck!

Nicht zu voreilig auf den
Auslöser drücken! Vielleicht ergibt sich von der anderen Seite
eine bessere Perspektive?

Tatsächlich von der
anderen Seite sieht die Exentriquesgruppe wesentlich schöner aus!
Ein sehr wichtiges „Zubehör“
hätte ich beinahe vergessen. Mindestens eine Person (das reicht meist
bei Makros, aber bei Gänge und Hallen nicht) die hilft und beim fotografieren
als „Blitzsklave“ mitdenkt. Dies ist nicht selbstverständlich!
Denken Sie daran derjenige schenkt Ihnen Zeit. Und wenn Sie es richtig
angehen dann sogar viel Zeit. Eventuell lassen Sie dieser Person ein paar
schöne Abzüge zukommen.
Ich möchte daher diesen Artikel auch zum Anlass nehmen und ein herzliches
Dankeschön aussprechen. Dieses Dankeschön geht an alle Personen
die mir in etlichen Jahren beim fotografieren geholfen haben. Ich weiß
es sehr zu schätzen!
Noch ein Wort zum Schluss. Wer Höhlenfotografie betreibt sollte sich
an die ungeschriebenen Höhlengesetze halten. Das heißt das
nicht jedes Motiv und sei es noch so toll, perfekt fotografiert sein muss,
wenn dadurch Zerstörungen entstehen (so zum Beispiel Zerstörungen
am filigranen Boden). Dann heißt es den Foto in der Tonne lassen
und mit den Augen genießen.
Wer noch Fragen hat oder mir vielleicht Tipps geben kann, darf sich gerne
bei mir melden. Grundsätzlich (jetzt kommt mein Lieblingsspruch)
gilt üben, üben und nochmals üben. Viel Glück!

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